Digitalismus vs. Kapitalismus

Geld ist im Internet nur ein Haufen von Zahlen. Die Zeiten, da handwerklich geprägte Münzen mühsam im Schweiße des Angesichts erworben werden mussten, sind Vergangenheit. Riesensummen werden heute per Mausklick um den Globus transferiert, oft von Leuten mit zweifelhaften Absichten für destruktive Transaktionen. Die Frage ist, ob die Konstrukteure der neuen digitalen Welten auch für einen rationelleren Einsatz des Kapitals sorgen können.

Die digitale Revolution erschüttert permanent die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Dem Industriezeitalter angemessen, ist der herkömmliche Kapitalismus aber eine Konvention, die im jungen Informationszeitalter anachronistisch geworden ist: Geld fehlt dort, wo es gebraucht wird und es treibt sich herum, wo es Schaden anrichtet.

Die Politik macht sich auch deswegen zunehmend unbeliebt, weil sie sich weigert, diese Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. So ist die Abschaffung von stupider körperlicher Arbeit ein erwünschter Effekt der Computerisierung der Arbeitswelt, die Schaffung von Arbeitsplätzen daher ein obsoletes politisches Ziel. Gesundheitsschädliche Plackerei wird zunehmend sinnlos „und das ist gut so“. Überflüssigmachung menschenunwürdiger Arbeit bei gleichzeitiger Förderung sinnvoller Arbeit im Sinne eines ökologischen „New Deal“ könnten als neue Kategorien in die politischen und wirtschaftlichen Diskurse eingeführt werden: die frühkapitalistische, mechanische Produktion hat den Nachteil, dass sie in das Ökosystem eingreift und dort zerstörerisch wirkt.

Hier kommt der kapitalistische Pragmatiker ins Spiel: „Aber wie sollen die Menschen dann ihren Lebensunterhalt verdienen?“ Ein guter Punkt. Das Finanzsystem muss dem digitalen Zeitalter angemessen sein. Menschenunwürdige Arbeit ist schon immer schlecht bezahlt worden, sollte man die Finanzierung ganz einstellen und Nichtarbeit finanzieren? Das ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, für das Informationszeitalter eine angemessene Lösung. Generell ist zu überlegen, Geld für solche Leistungen herauszugeben, die kreativen, wissenschaftlichen und sozialen Mehrwert schaffen, die für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt sorgen und den menschlichen Zusammenhalt gewährleisten. Leicht gesagt. Eine Ideensammlung:

Erste Idee: Wir zahlen eine politisch festgelegte, in der Höhe begrenzte Steuer direkt an die Finanzwirtschaft.
Zweite Idee: Die Finanzwirtschaft finanziert öffentliche Projekte bedingungslos.
Dritte Idee: Die Bürger bestimmen über den Bürgerhaushalt die Ausgaben öffentlicher Projekte, die Politik handelt als als Sachwalter im Auftrag der digitalen Bürgerschaft.

Die Finanzwirtschaft gibt ferner Geld heraus für
– Firmengründer, denen nach einem Finanzkatalog Gelder für ihren Wirtschaftsplan ausgezahlt werden, Bedarf, der über den Katalog hinausgeht, muss als zinsloser Kredit ausgezahlt werden;
– Familiengründer, Angehörigenpflege nach einem Finanzkatalog;
– öffentliche Projekte, Infrastruktur, zinslos, bedingungslos.

Zinsen sind nur erlaubt für finanziellen Mehrbedarf in den genannten Bereichen, Zinsen und Gebühren werden außerdem fällig bei allen Finanztransaktionen, die nach wie vor erlaubt sind, aber vorher politisch begutachtet und abgesegnet werden müssen.