Hört ihr Herrn und lasst euch sagen

Wer hat im Internet etwas zu sagen? Die Informationsvermittlung lässt sich auch mit Hochtechnologie auf archaische Grundformen reduzieren: Auf öffentlichen Marktplätzen riefen seit dem Mittelalter die Nachtwächter ihre Mitteilungen in die kleinstädtische Nacht hinaus. Folgt man dem alten Kinderlied, gingen sie in regelmäßigen zeitlichen Abständen aus, verkündeten ein Datum und lieferten gleich noch eine Interpretation und einen Rat zum optimalen Verhalten mit. Genau das scheint mir auch das Erfolgsgeheimnis vieler Blogs zu sein. Die wichtigste Funktion des Nachtwächters besteht – damals wie heute – darin, den Menschen die Angst vor der Dunkelheit zu nehmen. Ohne das Licht der Aufklärung fehlt etwas für die innere Balance. Das ist vielleicht eine noblere Aufgabe als die des Sauhirten, der zeitweilig seine Sau durch Dorf treiben muss. Passiert im Internet auch.

Etwas altertümlich ist der Adressat des Wiegenliedes: es wendet sich an die Herren. Heutige Nachtwächter tun das aus alter Gewohnheit immer noch. Obwohl es Frauen geben soll, die auch nichts gegen einen Nachtwächterposten hätten.