Frauchen

Vor 50 Jahren wurde den amtlichen Dienststellen untersagt, die Anrede „Fräulein“ für unverheiratete Frauen zu verwenden. Bei einem Job im Architekturbüro hat es sich einer meiner Chefs bis in die neunziger Jahre nicht nehmen lassen, mich so zu titulieren. Ich habe irgendwann aufgehört, mich zu ärgern, habe mich einfach nicht angesprochen gefühlt und später gekündigt.
Soviel zum Thema „ist ja nur eine läppische sprachliche Nachlässigkeit“ – oder „Unkenntnis der rechtlichen Lage“. Einfache Tatsache war, dass der alte Mann meine Arbeit nicht wertgeschätzt hat. Wieder ein Beweis: Am Anfang war das Wort. Nur die Katze darf mich „Frauchen“ nennen. Zu einem Mann würde sie ja auch „Herrchen“ sagen.