Löcher lassen

In seinen Aufschreibesystemen erklärt Friedrich Kittler die Medientransposition für unbefriedigend. Museen, die ihre Bestände digitalisieren müssen, wissen das. Niemand, der einen animierten Louvre-Rundgang gesehen hat, wird auf eine Reise nach Paris verzichten wollen. „Sie kann nichts Universales anrufen und muss, heißt das, Löcher lassen“ (Kittler)

Was bedeutet der Gedankengang für die Textproduktion? Unterscheiden sich Texte, die mit Schreibmaschine geschrieben worden sind von Computerproduzierten? „Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich meine Gedanken zu Papier bringe“, hat mir eine Freundin kürzlich gestanden. Für mich kann ich das nur so beantworten, dass meine Magisterarbeit garantiert länger geworden wäre. Sie hätte ausgefeiltere Argumentationsstränge enthalten: vom vielen Fotokopien zerschneiden und neue Abschnitte einfügen hatte ich irgendwann „Nase voll“. Dann wurde eben die bis dahin erstellte Fassung abgegeben.
Eine Frage bleibt trotzdem noch: Ist Textschreiben am Computer kreativer oder lenkt die Arbeitsumgebung ab vom eigentlichen Schreiben?