Geert Lovink im Theater

In der Reihe Netzkultur der bpb war gestern abend Geert Lovink zu Gast, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Zähnekirschend entschloss ich mich, die 20 € Eintritt zu zahlen, glücklicherweise habe ich es nicht bereut. Das Festspielhaus in der Schaperstraße war dann auch nur mittelgut besucht, Thema und Referent hätten eigentlich ein Riesenpublikum verdient.
In der klaustrophob-theatralischen Atmosphäre der Seitenbühne sprach Lovink in seiner Nicht-Muttersprache Deutsch über das Wichtigste: Was machen wir nun im Internet, nach den Snowden Enthüllungen, nach dieser Demütigung, die Lobo in deutsch-kulturpessimistischer Manier so wortreich beklagt? Finden wir uns einfach ab, weil das Internet eben ein prinzipiell öffentliches Medium ist? Er erwähnt Michael Seemann, der das wohl empfehlen würde. Oder ziehen wir uns zurück, verschlüsseln wir unsere Soft- und Hardware? Geert Lovink begrüßt es, dass über diese Fragen ein Streit in der Netzgemeinde entstanden ist. Ihn hat in jüngster Zeit die Harmoniesucht im Netz gestört – Einigkeit ist unangebracht, wo Diskussion nötig gewesen wäre. Und bei dem Thema “Privatsphäre” gibt es keinen Common Sense.

Lovink empfiehlt uns zunächst einen Blick zurück. In eine Zeit als das Internet noch dezentral und community-basiert funktionierte. Er erinnert uns an die niederländische Digitale Stadt (in Berlin gab es die Internationale Stadt), hier waren Teilnehmer untereinander vernetzt, kannten sich und bezogen sich aufeinander. Generell wünscht er sich eine Redezentralisierung des Internets. Wir dürfen es nicht zulassen, dass wenige private Firmen oder staatliche Einrichtungen Monopole errichten, es uns bequem machen und unsere Aufmerksamkeit zum Zweck der Datensammelei abziehen. So wie das Internet im Moment noch strukturiert ist, ist es durchaus möglich, eine selbstgeschaffenen Struktur daraus zu entwickeln. Dazu zeigte er eine Grafik mit einem Muster, das er politisch-analog “föderalistisch” nannte. Dass das eine arbeitsintensive Aufgabe ist bestritt er nicht, er hielt auch noch eine Liste mit Software bereit, die das Ausspähen zumindest etwas schwerer macht (Habe leider keinen Link!).

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