Gegen jede Internetzensur!

Die STOPACTA-Intitiative berichtet von insgesamt 100.000 Teilnehmern gegen die ACTA-Gesetze in vielen deutschen Städten. “Ad acta legen” war das Motto des Tages!
Das ganze Internet, die Arbeit und der Rest
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Die STOPACTA-Intitiative berichtet von insgesamt 100.000 Teilnehmern gegen die ACTA-Gesetze in vielen deutschen Städten. “Ad acta legen” war das Motto des Tages!
Wer vermutet, dass Stricken zu den Hausfrauen, den Grünen und den achtziger Jahren gehört und insgesamt etwas obsolet geworden ist, der irrt sich. Seit Ada Lovelace ist bewiesen, dass Programmieren und Stricken fest miteinander verbunden sind. Wenn ich also meinen Kunden auf die Ähnlichkeiten von Jacquardmustern und gepixelten Logoentwürfen aufmerksam mache, renne ich damit offene Türen ein.
Trotzdem ernte ich immer eine hochgezogene Augenbraue, wenn ich berichte, wie ich vor einiger Zeit übergangslos von der kreativen Strickarbeit zur kreativen Computerarbeit gewechselt habe. Strickblogs haben übrigens ebenso erfolgreich wie Katzencontent zur raschen Realisierung der Maxime “Go Public!” beigetragen.
Und den Anfang dazu haben die Hausfrauenseiten gemacht!
Eine der ersten Einrichtungen, die komplett vom Internet überzeugten, war eine Kaffeemaschine. Genauer gesagt, die Kaffeemaschine der Computerabteilung der Universität Cambridge, kurz die Trojan Room Coffee Maschine.
Eine Webcam war auf die Kaffeekanne gerichtet - wer die Seite aufrief, konnte sich einen Überblick über den Füllstand verschaffen.
Nie mehr Wege umsonst! Die ultimative Demonstration von “Echtzeit”. Nachdem ich die Kaffeemaschine gesehen hatte, kaufte ich meinen ersten Personal Computer und wartete ungeduldig auf einen Internetanschluss.
Heute steht die legendäre Kaffeemaschine in einer Spiegel-Redaktionsküche, die Hamburger erwarben das historische Stück und kochen ihren Kaffee immer noch damit. Heute abend war der Topf immerhin noch gefüllt.
Und es ist wieder bewiesen, dass Kaffee die Entwicklung des Internet wesentlich beschleunigt hat.
In der Steinzeit des Internet waren die geplagten Nutzer mit 28K Modems unterwegs. Der Aufruf einer Internetseite mit fünf Bildern dauerte ca. 5 Minuten. Man konnte dabei zuschauen, wie sich die Pixel einzeln zeilenweise auf dem Bildschirm aufbauten. Auf zahlreichen Foren wurden Tipps ausgetauscht, wie man Modems zum schnelleren Herausrücken der Daten bewegen kann. Die einfachste Lösung war: weniger als 5 Bilder nehmen.
Die Amerikaner raunten damals etwas vom “Information Highway”, sagenhafte Geschwindigkeiten sollten damit möglich sein, noch besser 56K, das als nächstes zu uns rüberschwappte. Den “Highway” übersetzte man im Gegensatz zu den üblichen dinglischen Sprachgewohnheiten im Internet einfach mit Autobahn. Datenautobahn. Dabei stellt sich unwillkürlich das Bild von einem Riesendatenpaket ein, das auf einem Autodach festgeschnallt ist und mit Höchstgeschwindigkeit zum Zielort transportiert wird. Später stellte sich heraus, das Geschwindigkeit ein langweiliges Thema ist - WorldWideWaiting ist eine Anekdote aus der Vergangenheit.
Ein früherer Bundeskanzler soll auf die Frage nach dem Ausbau der Datenautobahn in Deutschland gesagt haben: Für Autobahnen sind die Bundesländer zuständig. Blöde Frage - blöde Antwort!
Meine Studienfreundin Sophia ist Wissenschaftlerin und freiberufliche Politikberaterin. Sie ist gut mit Aufträgen eingedeckt und hat Werbung nicht nötig. Naja, bis auf eine Visitenkarte, die hat sie schon. Wenn sie die herumreicht, wird sie gelegentlich angesprochen: “Wo ist denn Ihre Internetadresse?” “Ach wissen Sie, ich bin so beschäftigt, und bisher brauchte ich keine eigene Website. Ich möchte mich im Moment nicht damit befassen.”
Eines Abends spät um 11 Uhr bekam ich diesen Anruf von Sophia:
“Du bist doch Fachfrau in Internetfragen. Du musst mich mal beraten. Ich bin kürzlich von einem Journalisten angesprochen worden, der etwas über mich im Internet gelesen hat: jemand schrieb einen Verriss über meinen Beitrag auf einer Podiumsdiskussion. Darf das denn sein?
Ich würde es ja noch verstehen, wenn ich selbst einen Beitrag im Internet geschrieben hätte und der Verriss eine Antwort darauf wäre. Aber so? Ich finde das extrem unfair! Woher soll ich denn wissen, wer im Internet was über mich schreibt? Am liebsten würde ich meinen Rechtsanwalt mobilisieren!”
“Liebste Sophia: lass es sein! Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen! Das Internet ist ein meinungsfreudiges Medium, der Schreiber hat einfach geäußert, was ihm nicht gefiel. Wer weiß, wie viele (oder wenige) Leute das gelesen haben. Wenn du einen Rechtsanwalt losschickst, hast du garantiert zehnmal soviel Aufmerksamkeit der Internetforen. Und unfair ist das Internet auch nicht. Wenn du als Expertin bekannt wirst, musst du eben mit Reaktionen auf deine Beiträge rechnen. Wenn du das Medium Internet nicht beachtest - das ist deine Entscheidung! Aber bedenke: Das Internet beachtet dich … ”

Auch wenn hier mehr Wahrheiten das Licht der Welt erblicken als anderswo: Im Internet wird kräftig gelogen. Am meisten in Finanzfragen, denn wer schon viel Geld hat, bekommt auch viel Kredit. Kreditwürdig ist gleich glaubwürdig. Für arme Existenzgründer heißt das: Wer sein Startup-Unternehmen bedeutungsschwer aufblasen kann, bekommt Millionenbeträge von Investoren oder noch besser gleich von den Aktionären überwiesen. Die Gewinnerwartung ist die Wette auf künftige gigantische Einnahmen. Im weltweiten ständig wachsenden Netz muss ganz einfach idiotisch viel Geld zu verdienen sein, mein Kunde aus der Finanzbranche glaubt das ebenfalls. Milliarden Leute haben Computer und Zugang zum Internet. Sie brauchen bloß eine winzige gute Idee und einen Programmierer, der das Gedachte wie auch immer schlampig umsetzen kann.
“Wir reden nur über unsere Idee, nicht darüber, wie sie funktioniert,” das sagte der Geschäftsführer einer meiner ersten Internetfirmen, einem Portal mit Angeboten für Existenzgründer. Wir bereiteten uns auf eine Promotionsveranstaltung vor. “Und wehe, ich höre auch nur einmal das Wort ‘Arbeitsagentur’”! Obwohl wir uns alle nach dem Modell “Ich-AG” selbständig gemacht hatten. Er redete irgendwas über zu erwartende Werbeeinahmen, die dann aber nur bedingt eintrafen.
Die Medaille hat eben die andere Seite, die Kehrseite. Die Erwartung der Internetnutzer ist im Gegenteil, dass hier alles umsonst angeboten wird. “Mein Computer war teuer, mein Zugang zum Internet ist auch nicht umsonst, das reicht jetzt,” so denken viele, die vielen, die nicht zu den Besitzenden gehören. Die ganze Wahrheit ist: hier ist Geld ebenso schwer zu verdienen, wie anderswo!
Jetzt kommt wieder eine Zeit, da darf darüber gesprochen werden: klamme Freiberufler gehen nicht den Weg in die Insolvenz, sondern heimlich zum Jobcenter. Die Journalistin, die gut recherchierte Artikel schreibt und dafür läppische Zeilenhonorare erhält, der Künstler, der sich als Katzensitter etwas dazuverdient. Darüber redet man nicht so gern. Außer, wenn es in der Süddeutschen Zeitung steht.
Märchenerzähler haben es im Netz schwer. Es ist eine große Wahrheitsmaschine. Hier würde kein Kaiser auf die Idee kommen, ohne Kleider aufzutreten. Trotzdem beobachten wir gerade amüsiert, wie eine Gruppe hochrangiger Politiker sich darum bemüht, mit immer teureren PR-Spezialisten schönfärberische Redewendungen unter das vermeintlich dumme Volk zu bringen. Das wiederum ist nicht ganz so einfältig, wie diese Strategen glauben mögen. Bei neusprech.org beispielsweise finden wir Beiträge von Sprachwissenschaftlern, die den Wörtern die coolen Modefetzen runterreißen und sie altmodisch nackt ausstellen. Es ist ein Wettkampf.
Das Internet befördert die Idee einer neuen Transparenzkultur, nicht erst seit Wikileaks. Wenn es so leicht ist, Fakten in Daten umzuwandeln, ist es nur logisch, alles Digitalisierbare zu publizieren. Die Anhänger einer neuen Datenöffentlichkeit (”Spackeria“) plädieren für eine Neugewichtung der Öffentlichkeit und Privatsphäre, zugunsten eines öffentlicheren Auftretens aller. Die Forderung der Datenschützer nach mehr Datensparsamkeit für Bürger einerseits und mehr Transparenz für den Staat, wäre nach dieser Argumentation zumindest für den ersten Teil obsolet.
Veröffentlichen ist leicht - umso mehr erregt es den Verdacht der neuen Mediennutzer, wenn sich Entscheider aus Politik und Wirtschaft “informell” treffen, keine Tagesordnung bekanntgeben und im Anschluss nichts über die Ergebnisse verlautbaren lassen. Seit den Freimaurern gibt es Gerüchte über die Existenz von Geheimlogen, die die Geschicke der Staaten lenken, ungefragt und über die Köpfe der “Untertanen” hinweg. Das wird naturgemäß von mündigen Bürgern als skandalös empfunden. Besonders argwöhnisch beäugt wird zum Beispiel die Bilderberg-Gruppe: ein jährliches Treffen der globalen Politiker-Elite mit der Wirtschafts- und Finanzindustrie und ausgewählten Medienvertretern, die nichts über die Konferenz berichten dürfen. Dank Internet wird mittlerweile eine Tagesordnung veröffentlicht, aber erst nach Abschluss der Tagung.
Schon in der Vergangenheit wurde eine geheime militärische Organisation namens Gladio heftiger kritisiert, die allem Anschein nach zur Abwehr von Einflüssen aus den Staaten des Warschauer Vertrages diente und sich dabei nicht scheute, selbst Terrormaßnahmen zu initiieren.
Auch im heutigen politischen Alltag kommen verdeckte Absprachen häufig genug vor. Mittlerweile reichen schon Geheimhaltungsklauseln bei Privatisierungsverträgen in den Kommunen aus, um Volksabstimmungen und Misstrauensvoten hervorzurufen. Parlamentarier sollten ihre Parteien fragen, wozu nichtöffentliche Fraktionssitzungen nötig sind. Womöglich noch mit Twitterverbot.
Schräge Verschwörungstheorien gibt es im Netz immer noch, die Chemtrails z.B. verpesten unsere Luft, von verschiedensten Giften, Strahlen und Morden an Politikern gar nicht zu sprechen. Und es gibt fefes Blog.
1935 schrieb Walter Benjamin den Aufsatz “Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit”. Das Original, so Benjamin, besitzt eine Aura, die womöglich verlorengeht, wenn es zu häufig kopiert wird.
Manchmal frage ich mich bange, ob das auch auf Menschen zutreffen könnte, die in zu vielen Netzwerken im Web unterwegs sind. Aus Sicherheitsgründen oder weil es mehr Spaß macht, gibt man bei der Anmeldung zu Web-Diensten immer nur Schnipsel der wahren Identität preis, bei Kleinigkeiten, wie Alter, Geschlecht, o.ä. kann man ruhigen Gewissens schwindeln. Das Gesichtsbuch fragt dann aber bei vergeblichen Einlogversuchen nach dem Geburtsjahr. Dann muss man sich qualvoll an eine vor Zeiten abgegebene Falschinformation erinnern. Es gibt ja Theoretiker, die behaupten, dass Lügner intelligenter sein müssen als Wahrheitsfanatiker.

Kunstwerk, Name oder Pixelgrafik
Wenn sich Politik in Internetangelegenheiten einmischt, ist häufig die Rede von PIN oder festen IP-Nummern schon bei der Einwahl: kein identitätsloses Herumspielen in anonymen Netzwerken mehr, am besten alle Daten vom Zahlungsverkehr über die Gesundheitskarte bis hin zum “intelligenten Energiezähler” rundum erfassen. Je häufiger dieser Ruf nach mehr Kontrolle (euphemistisch “besseres Management”) seitens der staatlichen Institutionen laut wird, desto größer werden meine Bedenken (”Wozu wollen die meine Daten?”) und mein Wunsch, jetzt erst recht meinen anonymen Status und meine multiplen Internetpersönlichkeiten aufrechtzuerhalten.
Wir müssen alles dreimal mitteilen. Es reicht nicht mehr aus, dass eine Katze einfach über die Wiese läuft. Ein Mensch muss kommen und sagen: “Schau mal, dort läuft eine Katze!” Weil etwa sein Gegenüber unaufmerksam war und die Katze sonst verpasst hätte. Aber selbst, wenn seit einer Stunde keine Katze mehr sichtbar war, können sich Freunde immer noch über Katzen unterhalten. Vorteil der Sprache.
Weiter können Katzen auch künstlerisch verarbeitet, gemalt, fotografiert, gedruckt, beschrieben und als Kunstwerk vervielfältigt werden. Selbst Menschen, die noch nie lebendige Katzen gesehen haben, können sich so eine Vorstellung von den Tieren machen. Und sie müssen nicht unmittelbar einen Freund oder Verwandten über Katzen ausfragen.

Das Internet setzt auch hier noch eine weitere Ebene drauf: Katzenbilder und -filme oder Newsgroups über Katzenhaltung sind erst der Anfang. Man erfährt hier alles über die Zusammensetzung der Tiernahrung, über Tierärzte und katzengerechte Wohnungshaltung. Vor Begeisterung über die Tiere werden Charaktere erfunden, Späße mit Lolcats zum Zeitvertreib sind ebenso angesagt wie dreidimensionale Katzenavatare in Rollenspielen wie Second Life. Pro Tag im Detail neue Welten erschaffen - das Internet erlaubt es jedem, ein bißchen Gott zu spielen.
Weil dies ein Blog ist, war dieser Eintrag überfällig: Katzencontent ist ein entscheidendes Blogmerkmal.
Die Kreativbranche wird häufig gelobt für ihre Zukunftsfähigkeit und enorme ökonomische Zugkraft. Warum nur habe ich dagegen den Eindruck, dass ich nur noch Aufträge bekomme, die immer arbeitsaufwändiger werden und dabei aber immer schlechter bezahlt sind? Thema ist also die “Selbstausbeutung”. Nun höre ich jemanden schreien: “Selbst schuld! Frauen verhandeln eben nicht hart genug!”
Ich weiß nicht. Einerseits sind meiner Erfahrung nach die härtest verhandelten Jobs auch die mit der gruseligsten Arbeitsatmosphäre. Auf Dauer möchte ich mir das nicht antun. Andererseits wartet an der nächsten Wegbiegung schon der/die Konkurrent/in mit dem niedrigeren Angebotspreis. Ich mache ein Angebot aufgrund einer ordentlichen Kalkulation und -schwupps- “Ich bin schon da!”, sagt der nette Mitbewerber von nebenan. Kann nur der Hase-und-Igel-Trick sein, denke ich mir. Ich bin geneigt zu glauben, dass diese Herrschaften von irgendwo quersubventioniert werden.
Dann kommen die nächsten Kunden, die ein Angebot einfordern: Eine gemeinnützige Einrichtung, alles sehr nette Leute, die ehrenamtlich arbeiten, aber für eine Website wollen sie natürlich etwas zahlen. Ein Angebot haben sie schon, von jemandem, der das als ein erstes Referenzprojekt nach seiner Fortbildung bräuchte. Himmel, wo bin ich denn hier gelandet?

Geld ist im Internet nur ein Haufen von Zahlen. Die Zeiten, da handwerklich geprägte Münzen mühsam im Schweiße des Angesichts erworben werden mussten, sind Vergangenheit. Riesensummen werden heute per Mausklick um den Globus transferiert, oft von Leuten mit zweifelhaften Absichten für destruktive Transaktionen. Die Frage ist, ob die Konstrukteure der neuen digitalen Welten auch für einen rationelleren Einsatz des Kapitals sorgen können.
Die digitale Revolution erschüttert permanent die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Dem Industriezeitalter angemessen, ist der herkömmliche Kapitalismus aber eine Konvention, die im jungen Informationszeitalter anachronistisch geworden ist: Geld fehlt dort, wo es gebraucht wird und es treibt sich herum, wo es Schaden anrichtet.
Die Politik macht sich auch deswegen zunehmend unbeliebt, weil sie sich weigert, diese Realitäten zur Kenntnis zu nehmen. So ist die Abschaffung von stupider körperlicher Arbeit ein erwünschter Effekt der Computerisierung der Arbeitswelt, die Schaffung von Arbeitsplätzen daher ein obsoletes politisches Ziel. Gesundheitsschädliche Plackerei wird zunehmend sinnlos “und das ist gut so”. Überflüssigmachung menschenunwürdiger Arbeit bei gleichzeitiger Förderung sinnvoller Arbeit im Sinne eines ökologischen “New Deal” könnten als neue Kategorien in die politischen und wirtschaftlichen Diskurse eingeführt werden: die frühkapitalistische, mechanische Produktion hat den Nachteil, dass sie in das Ökosystem eingreift und dort zerstörerisch wirkt.
Hier kommt der kapitalistische Pragmatiker ins Spiel: “Aber wie sollen die Menschen dann ihren Lebensunterhalt verdienen?” Ein guter Punkt. Das Finanzsystem muss dem digitalen Zeitalter angemessen sein. Menschenunwürdige Arbeit ist schon immer schlecht bezahlt worden, sollte man die Finanzierung ganz einstellen und Nichtarbeit finanzieren? Das ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens, für das Informationszeitalter eine angemessene Lösung. Generell ist zu überlegen, Geld für solche Leistungen herauszugeben, die kreativen, wissenschaftlichen und sozialen Mehrwert schaffen, die für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt sorgen und den menschlichen Zusammenhalt gewährleisten. Leicht gesagt. Eine Ideensammlung:
Erste Idee: Wir zahlen eine politisch festgelegte, in der Höhe begrenzte Steuer direkt an die Finanzwirtschaft.
Zweite Idee: Die Finanzwirtschaft finanziert öffentliche Projekte bedingungslos.
Dritte Idee: Die Bürger bestimmen über den Bürgerhaushalt die Ausgaben öffentlicher Projekte, die Politik handelt als als Sachwalter im Auftrag der digitalen Bürgerschaft.
Die Finanzwirtschaft gibt ferner Geld heraus für
- Firmengründer, denen nach einem Finanzkatalog Gelder für ihren Wirtschaftsplan ausgezahlt werden, Bedarf, der über den Katalog hinausgeht, muss als zinsloser Kredit ausgezahlt werden;
- Familiengründer, Angehörigenpflege nach einem Finanzkatalog;
- öffentliche Projekte, Infrastruktur, zinslos, bedingungslos.
Zinsen sind nur erlaubt für finanziellen Mehrbedarf in den genannten Bereichen, Zinsen und Gebühren werden außerdem fällig bei allen Finanztransaktionen, die nach wie vor erlaubt sind, aber vorher politisch begutachtet und abgesegnet werden müssen.
Ich bin nicht nett zu meinem Kunden. Nicht nur, dass ich auf Anfragen nur mit Zeitverzögerung reagiere. Ich sage auch die Wahrheit, die ist nicht immer schmeichelhaft für “corporate” Auftraggeber. Statt einem lukrativen Vertrag hinterherzuhecheln frage ich meinen Banker: Was wollen Sie hier eigentlich? Ist Ihnen klar, auf was Sie sich einlassen? Wenn Sie nur den geringsten Zeifel haben, dann rate ich Ihnen: Lassen Sie es! Was immer Sie mitteilen wollen, wird hinterfragt werden von libertären Freigeistern, von ruhelosen Seelen, die Ihre Auffassungen garantiert nicht teilen. Wir haben Sie nicht eingeladen.
Dann gebe ich ihm den Link zur Declaration of Independance of Cyberspace von John Perry Barlow. Das Dokument ist das Internet-Grundgesetz. Seit dem Weltwirtschaftsforum in Davos von 1996. Auch wenn sich seither einiges an Regulatorien ergeben hat: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, bietet aber viel Freiraum!
Wer hat im Internet etwas zu sagen? Die Informationsvermittlung lässt sich auch mit Hochtechnologie auf archaische Grundformen reduzieren: Auf öffentlichen Marktplätzen riefen seit dem Mittelalter die Nachtwächter ihre Mitteilungen in die kleinstädtische Nacht hinaus. Folgt man dem alten Kinderlied, gingen sie in regelmäßigen zeitlichen Abständen aus, verkündeten ein Datum und lieferten gleich noch eine Interpretation und einen Rat zum optimalen Verhalten mit. Genau das scheint mir auch das Erfolgsgeheimnis vieler Blogs zu sein. Die wichtigste Funktion des Nachtwächters besteht - damals wie heute - darin, den Menschen die Angst vor der Dunkelheit zu nehmen. Ohne das Licht der Aufklärung fehlt etwas für die innere Balance. Das ist vielleicht eine noblere Aufgabe als die des Sauhirten, der zeitweilig seine Sau durch Dorf treiben muss. Passiert im Internet auch.
Etwas altertümlich ist der Adressat des Wiegenliedes: es wendet sich an die Herren. Heutige Nachtwächter tun das aus alter Gewohnheit immer noch. Obwohl es Frauen geben soll, die auch nichts gegen einen Nachtwächterposten hätten.